Susanne Schossig

 

Biographie

2001

Reise nach China und Japan. Aufenthalt im Kloster Hoko-ji. Beschäftigung mit dem Zen Buddhismus

seit 1980

Freie künstlerische Arbeit Malerei, Zeichnung, Installation

1968–1973

Studium an der Hochschule für Bildende Künste Berlin bei Fred Thieler und Gerhard Fietz

1946

geboren in Bremen

 
 

Einzelausstellungen (Auswahl)

2010

Installation/Papierarbeiten, Gallery Don Soker, San Francisco,USA

2009

Arbeiten auf Papier, Städt. Galerie Zeven, Christinenhaus

Video-Installation und Zeichnung, Hafenmuseum, Bremen

2008

Farbige Arbeiten auf Papier, Gallery Jones, Vancouver, Kanada

2007

Kunstmesse Karlsruhe

2006

Malerei und Zeichnung, Galerie Seuren, Karlsruhe

Klang-Installation und Zeichnung Schloss Rastatt, Kunstverein

2005

Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen

Arbeiten auf Papier, Galerie Reinfeld, Bremen

2004

Gallery Jones, Vancouver

Gallery Don Socer, San Francisco

2003

Raum-Zeit-Spirale, Rauminstallation, Gerhard-Marcks-Haus,
Bremen

2001

Reise nach Japan und China (Aufenthalt im Zenkloster Hoko-ji)

Neue Arbeiten, Galerie Reinfeld, Bremen

2000

Arbeiten auf Papier, swb enordia, Bremen

1999

Aufzeichnungen“ Raum-Klang-Zeichnung-Fotografie
(mit Christina Kubisch), Städtische Galerie, Bremen

1998

Malerei und Zeichnung, Galerie von Tempelhoff, Karlsruhe

1996

Installation im Kreuzgang des Klosters Mariensee, Niedersachsen

1995

Installation im Luftschutzbunker; Galerie M, Wilhelmshaven

1994

Malerei, Galerie Stübler, Hannover

1993

Malerei, Galerie Mönch, Bremen

1992

„LichtTreppenHaus“, Installation im Hafen, Bremen

1991

Malerei, Galerie am Markt, Dessau

Bodenarbeit im Überseemuseum Bremen

 
 

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)

2008

Art Fair London, England, Kunstmesse Los Angeles, USA

Künstleraustausch und Ausstellung in Nanning, Süd-China

2007

Kunstmesse Toronto, Kanada

2006

Malerei und Zeichnung, Gallery Jones Vancouver, Canada

Gallery Wim Reiff, Maastricht, Niederlande

2005

„Spüren“ – Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen

2004

Malerei und Zeichnung, Galerie von Tempelhoff, Karlsruhe

2002

Arbeiten auf Papier, Gallery Don Soker, San Francisco

2001

Kunstmesse Köln

2000

Druckgraphik, Kunstverein Halle

1992

„In Progress“ – Europa-Bilderfries: Bremen, München, Stockholm

1991

Erde-Zeichen-Erde“, Malerei IGBK, Kiel

1988

Malerei und Zeichnung, Galerie Steinbrecher, Bremen

 
 

„Man muss die Zeit verlassen“
Zu den Zeichnungen von Susanne Schossig

 

Traditionell galt die Zeichnung als ein Begleitmedium der Malerei und der Skulptur. Heute wird Zeichnung nicht mehr nur als Skizze oder Studie im Vorfeld der Entstehung des eigentlichen Werks aufgefasst, sondern als ein Medium, das gerade wegen seiner Offenheit vielfältige Korrespondenzen mit der Installation, der Skulptur, der Aktions- und Konzeptkunst und sogar mit der Ästhetik der digitalen Bilder eingeht.

Das Zeichnen ist Susanne Schossig über viele Jahre der intensiven Arbeit mit Chinatusche und Transparentpapier buchstäblich in Fleisch und Blut übergegangen. Denn wie die dichte Struktur unzähliger knapper Linien erahnen lässt, entstehen diese Arbeiten in der ausdauernden, unablässigen Gleichförmigkeit einer insistierenden Strichführung, die sich wie ein Gewebe an der Oberfläche des Trägermaterials verdichtet. Mehrere Schichten unterschiedlicher Helligkeitsstufen oder Farbapplikationen überlagern sich in diesen ebenso transparenten wie undurchsichtigen Texturen. Das Auge unternimmt eine archäologische Zeitreise durch die unterschiedlichen Formationen der Bewegungsspuren, die sich in einem optischen Spiel der dunklen und hellen, der positiven und negativen Akzente miteinander verbinden. Es entsteht ein Mikrokosmos der Zeichen, in dem die körperliche Aktion mit der geistigen Reflexion kondensiert. Zeichnung will nichts darstellen, sondern wird als eine Übung der Vertiefung und Konzentration auf den Prozess des Arbeitens selbst betrieben. Eine Konzentration, ein Ritual, in dem das Denken überflüssig wird, weil die Abläufe vorgegeben sind und ihren Eigensinn entwickeln. Der Rhythmus des Körpers übernimmt das Voranschreiten auf der Fläche.

„Man muss die Zeit verlassen“, sagt Susanne Schossig, um sich dieser extrem Zeit absorbierenden Tätigkeit vollends hinzugeben – ein Luxus, der in unserer von Leistungsansprüchen dominierten Gegenwart vielleicht nur noch in der Kunst seine bildhafte Entsprechung findet. Anders als die Ökonomie unserer Lebensverhältnisse, die auf einem Denken und Handlungsschema beruht, das mit dem Minimum an Zeit und Aufwand ein Maximum an Nutzen erzielen will, wirken diese Arbeiten zeit-los. Der Effizienzgedanken, den heute jede Facette unserer Arbeitswelt und selbst noch unsere Freizeit dominiert, steht in krassem Gegensatz zu der hier sichtbar werdenden Praxis einer zeitintensiven, vielleicht sogar absichtlich verschwenderischen Zeitverlorenheit. Der Zugriff auf den Menschen erfolgt heute über die Zeitverfügung. Die Zeichnungen von Susanne Schossig sind auch Teil einer Lebenspraxis, die sich dieser Ökonomie entzieht und uns an den letzten Reservoiren eines verlorenen Zeitmaßes teilhaben lässt, in dem ein Handeln ohne Ziel, im Selbstzweck der Gegenwart, Freiräume der Selbstfindung und Selbsterfindung schafft.

                                                                                                                 Ursula Frohne