Ausstellung "Tiefsee"
Kooperation mit der Städtischen Galerie Bremen

Wasser als Lebensraum ist ein Mythos. Es ist der Ursprung allen Lebens und Menschen sind sich dieses Ursprungs sehr bewusst. Es ist jedoch der einzige Lebensraum, in dem sie nicht leben können. Zudem ist er noch relativ unerforscht. Historische Fantasien über merkwürdige Wesen in Flüssen, Seen und im Meer werden derzeit vom besonderen Interesse an der Tiefsee gespiegelt, welche die letzte Wildnis auf der Erde darstellt – in ihren unermesslichen Abgründen und ihrer großen Dunkelheit, in welche die Wissenschaft kaum vorgedrungen ist, in der wir noch unbekannte Kreaturen entdecken, die ebenso rätselhaft wie fremd erscheinen wie diejenigen, die sich unsere Vorfahren als Bewohner der Meere vorgestellt haben. Das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Wasserlebensräume für unser Ökosystem wächst und es ist offensichtlich, dass wir zur Zeit eine entscheidende und irreversible Veränderung in den gewaltigen globalen Regionen erleben, die von Wasser bedeckt sind. Überfischung, Wasserkontaminierungen durch Industrie und Agrarindustrie, durch Klimawandel verursach- tes Artensterben bzw. Artenwanderung und insbesondere die Häufung von Plastikabfall im Meer sind Aspekte die seit kurzer Zeit in ihrer Bedeutung und Auswirkung erst deutlich ge-worden sind, nun aber wissenschaftlich wie künstlerisch stark diskutiert werden.

 

Die Städtische Galerie Bremen nimmt in Kooperation mit dem Künstlerinnenverband Bremen (Gedok) den Lebensraum Wasser mit besonderem Fokus auf das Meer zum Ausgangspunkt einer künstlerischen Untersuchung, in der renommierte Bremer Künstlerinnen neue Arbeiten entwickeln, die dieses Thema behandeln. In diesem Prozess haben sich die Bremer Künstlerinnen sich nach ersten Informationsveranstaltungen mit Projektkonzepten präsentieren, aus denen die überregionale Jury acht Vorschläge für die Weiterentwicklung bis zur Ausstellung ausgewählt hat. Während der Arbeit an ihren spezifischen Ansätzen in allen künstlerischen Medien soll allen beteiligten Künstlerinnen die Möglichkeit geboten werden, den Entwicklungsprozess der Ausstellung zu begleiten. Mit diesem Ansatz einer Annäherung an das Thema wollen die Organisator*innen der Ausstellung einen kollektiven Weg der thematischen Auseinandersetzung und eine gemeinsame Form der Konzipierung der Ausstellung erreichen.

 

Zusätzlich wählten die Kurator*innen des Projekts internationalen Künstler*innen aus, die bereits ihren Arbeitsschwerpunkt in diesem Bereich haben. Die Städtische Galerie Bremen hat dazu die Kooperation mit den Kuratorinnen Anna Kindvall, Malmö, und Alexandra Waligorkis, Hamburg, gesucht, mit denen das Konzept gemeinsam erarbeitet wird. Als Partner steht das Ystads Konstmuseum fest, deren Leiterin Ýrr Jónas- dóttir ebenfalls in die Konzeption eingebunden ist und die Ausstellung 2019 zeigen wird.

 

Ein Fokus der Ausstellung liegt auf den ökologischen und sozialpolitischen Aspekten des Themas, doch sie ist offen für andere künstlerische Annäherungen. Das Rätsel der Tiefsee, das vergangene Vorstellungen von Meereswesen spiegelt, und das die letzte Wildnis der Erde bedeutet, die utopische Idee des Meeres als Lebensraum für Menschen oder die konkrete Beziehung von Menschen zu bestimmten Wasserbewohnern wie Walen oder Delfinen sind Beispiele für Ausgangspunkte, welche die Kurator*innen anregen wollen, um zu einer möglichst vielfältigen künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema zu gelangen. Die Ausstellung wird von einer Publikation begleitet, welche die verschiedenen künstleri- schen Projekte abbildet und analysiert. Sie wird verschiedene Texte der Kurator*innen, von Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen enthalten, die das Diskussionsfeld, das die Kunst- werke eröffnet haben, erweitern. Auf eine ähnliche Erweiterung zielen wir mit dem Begleitprogramm zur Ausstellung, das aus Vorträgen, Filmvorführungen, Führungen und Diskussionen bestehen und lokale Ex- pert*innen in die Analyse des Themas einbeziehen wird.